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Emil Scheid    Klassische Reitkunst

Meister Gustav Steinbrecht (1884)

 

Gustav Steinbrecht ist der bedeutenste deutsche Reitmeister. Sein Werk und seine Lehre ist bis heute unübertroffen und seine Worte sind nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen heute ebenso gültig wie damals.

Er ist gewissermaßen der Vater der deutschen Reitlehre. Sehr viele kennen zwar irgendwelche Zitate von ihm, tatsächlich jedoch ist seine Lehre  leider völlig in Vergessenheit geraten. So gut wie niemand kennt seine Lehre wirklich,  und von sehr, sehr vielen wird sie verfälscht und ins Gegenteil verdreht und sehr viele tun dabei so als würden sie nach seiner Lehre arbeiten.

 

Die Gymnastizierung des Pferdes nach den den Lehren der Reitmeister
Gustav Steinbrecht und François Robinchon de la Guérinière ist die beste Gymnastizierung, die man einem Pferd mitgeben kann.
Die Ausbildung nach diesen Lehren ist auch das Beste "Medizinische Reiten" die man einem Pferd bieten kann.
Leider ist das Wissen um die Lehre dieser Meister fast völlig in Vergessenheit geraten oder sie wird von sehr vielen völlig verfälscht und ins Gegenteil verkehrt.


Nachfolgend einige Zitate von Steinbrecht:

 

Die Aussagen von Steinbrecht lassen meiner Meinung nach auf eine wahrhaftige Liebe zum Pferd schließen und zeugen von einer Geisteshaltung die mir als Vorbild dient.

 

"Durch den langen, intimen Umgang mit seinem Meister wird das Pferd unendlich intelligent und aufgeweckt; da es so viel zu lernen hat und fortdauernd angehalten wird, den leisesten Wink des Reiters zu beachten, werden seine Geistigen Kräfte mit denen des Körpers gleichmäßig geübt, so dass es in dem Grade anhänglich und zutraulich zu seinem Herrn wird als es an Fertigkeit in seinen Schulen zunimmt, die es, wenn die Ausbildung vollendet ist, mit einer Art von freudigem und stolzen Selbstbewusstsein ausführt." 

 

"Der Bereiter muss daher seine Kunst hauptsächlich auf schwache und ungünstig, ja selbst fehlerhaft gebaute Pferde verwenden, und bei diesen letzteren die Dressur zur Heilgymnastik erheben. In der Medizin hat man sich überzeugt, dass Verkrümmungen des menschlichen Körpers oder krankhafte Zustände einzelner Glieder nicht durch eiserne Maschinen, sondern nur durch entsprechende Übungen geheilt oder gemindert werden können. So kann der Bereiter bei recht klarem Verständnisse seiner Kunst viele natürliche Mängel und Übelstände beim Pferde beheben, und bei solchen Fehlern und Gebrechen, die durch Missbrauch oder Unverstand früherer Reiter demselben beigebracht sind, oft wahre Wunder wirken, indem er sie durch entsprechende Richtung des Pferdes oft gründlich zu heilen vermag, nachdem alle tierärztliche Hilfe vergebens angewendet war.

Leider ist es unglaublich, wie viel Unverstand gerade in dieser schönen Kunst zutage tritt, weil jeder unfähige oder leichtsinnige Mensch, der in anderen Fächern kein Fortkommen sieht, sein Glück als Bereiter versucht. Ohne jede wissenschaftliche Erkenntnis seiner Aufgabe, oft  selbst ohne die nötige körperliche Befähigung dazu, beginnt er nun, das edelste Geschöpf unserer Tierwelt handwerksmäßig, wie der Tischler das Holz, nach der Schablone zu bearbeiten und ruht nicht eher, bis er es entweder total zerbrochen, oder dasselbe sein Herr und Meister geworden ist. Anstatt die natürlichen Bewegungen des jungen Pferdes durch Sitz und Hilfen zu fördern, stört und hemmt er sie durch seine eigene steife und falsche Haltung, durch unnatürliche Aufrichtung der Vorhand und durch die Härte und Unzeitigkeit seiner Hilfen. So unterdrückt er nach und nach alle Fähigkeiten des Pferdes, und wenn er es dann zum Krüppel gemacht hat, wird es der natürlichen schlechten Beschaffenheit des Pferdes zugeschoben. Diesen Leuten, die in dem Pferde nur ein dummes, störrisches Geschöpf sehen, welches nur durch Püffe und Schläge untertänig zu machen ist, ist es zu danken, wenn viele Pferdezüchter und Liebhaber meinen, ein Pferd zureiten zu lassen heißt es zuschanden reiten lassen. Diesen Leuten ist es auch zu verdanken, dass die Kunst immer mehr an Achtung verliert.

Nur wenige haben eine Ahnung davon, wie viel Zeit, Geduld und Mühe dazu gehört, einem Pferde eine Vollkommene Ausbildung zu geben. 
Wie unverständig aber im Allgemeinen dabei verfahren, wie oft gerade der Natur des Pferdes entgegen gearbeitet wird, das zeigen uns die vielen als halb und ganz invalide aus der Dressur hervorgehenden Opfer derselben."

(Gustav Steinbrecht, 1884)

 

Dass diese Aussage von Steinbrecht auch heute noch gültig ist, zeigt folgende Studie:

Laut einer Analyse der Nutzungsdauer von Reitpferden im Turniersport des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Georg-August-Universität in Göttingen, liegt die mittlere Nutzungsdauer der Turnierpferde nur bei 3,4 Jahren, wobei die Springpferde durchschnittlich fünf Monate länger als die Dressurpferde eingesetzt werden. Der Großteil der Dressur- und Springpferde (41% bzw. 32%) gehen im Mittel nur ein Jahr im Sport und über die Hälfte aller Turnierpferde nicht länger als zwei Jahre. Eine drei- bis vierjährige Nutzungsdauer konnten nur noch 19% aller Dressur- und 22% aller Springpferde aufweisen. Eine Turnierzeit von fünf bis sechs Jahren traf nur noch für 11% der Dressurpferde und 14% der Springpferde zu.
Wer die Gesundheit seines Pferdes erhalten möchte wird deshalb die Ausbildungsmethoden, die er anwendet, genau überdenken und auf ihre Nützlichkeit und ihre Auswirkungen überprüfen.

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