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Emil Scheid    Klassische Reitkunst

François Baucher

Unter vielen anderen habe ich mich auch mit der Lehre von Baucher und seiner Schüler und Anhänger intensiv beschäftigt. Warum er mir nicht als Vorbild dienen kann beschreibe ich in Kurzform auf dieser Seite. Dies ganz ausführlich und detailliert zu beschreiben würde ein Buch füllen.

Baucher sagt: " Wenn wir uns durch das Weichmachen alle instinktiven Kräfte des Pferds untergeordnet haben, so wird es in unserer Hand zur fügsamen Maschine......in: Methode der Reitkunst nach neuen Grundsätzen Olms Velag.

Wer sein Pferd als Maschine betrachtet, es zu einer Maschine machen möchte, der zeigt damit eine Geisteshaltung und Einstellung zum Pferd, der ich nicht folgen möchte. Selbstverständlich bleibt das jedem selbst überlassen.

François Baucher war sicherlich ein sehr geschickter Reiter.
Er hat unter anderem von sich behauptet, dass er jedes Pferd innerhalb weniger Monate bis zur hohen Schule ausbilden.
Auch heutzutage gibt es sehr viele Nachahmer dieser fragwürdigen Schnellausbildungsmethode a la Baucher und dabei meinen manche, sie seien die einzigen wahren noch lebenden Reitmeister.

In seinen Anweisungen im Buch von Faverot de Kerbrech hat er unter anderem auch empfohlen alle Lektionen auch in Rollkur zu reiten, wenn man ein wirklich gehorsames Pferd haben möchte. Die  "Rollkur" hat dort einen eleganteren Namen, nämlich "Ramener outré", auf deutsch "übermäßige Beizäumung", wobei das Kinn fast die Brust berührt.*

"Übermäßiges Beizäumen" in "L'équitation de légèreté"

 

Wenn man sein Werk sorgfältig studiert, wird eines ganz klar:

Im Gegensatz zu den  Meistern Steinbrecht und Gueriniere und anderen ging es bei Baucher nicht um die korrekte Gymnastizierung des Pferdes, sondern es ging ihm in erster Linie darum ein Pferd schnellstmöglich so abzurichten, dass es für einen bestimmten Zweck zu benutzen ist, z.B. damit man  Zuschauer mit einer möglichst spektakulären Darbietung beeindrucken kann.
Er war sicherlich sehr geschickt darin dies zu erreichen und er hat eine sytematische Mehtode Entwickelt. Er ging dabei auch behutsam vor, um keine Widersetzlichkeit zu erzeugen. Jedoch hat er sich keine großen Gedanken gemacht, welche Auswirkungen seine Übungen auf die Gesundheit des Pferdes haben, und welchen Sinn die Übungen überhaupt haben. Hauptsache die Zuschauer sind beeindruckt. Dazu hat er unter anderem 15 neue Schulen entwickelt. 

 

Ich möchte und kann hier nicht auf alle seine spektakulären Show-Lektionen und Kunststückchen eingehen in denen es nur darum geht irgendwelche Zuschauer zu beeindrucken.

An dieser Stelle möchte ich nur 5 seiner neuen Schulen kurz beschreiben:

8. Parade aus dem starken Galop mit Spornhilfe. (meine Anmerkung: Parade, das heißt Anhalten aus dem starken Galop schadet den Gelenken, Bänder und Sehnen und Wirbelsäule das Pferdes. Dies sollte man nicht systematisch üben nur um die Zuschauer zu beeindrucken.)

10. Trab rückwärts.

11.Galop rückwärts

15. Piaffe auf 3 Füssen, während der 4.te schwebend bleibt.

16. Einer Galopwechsel auf der Stelle.

Bei solchen Übungen geht es  nur darum, das Publikum zu beeindrucken.

Gymnastizierung des Pferdes? Fehlanzeige, nicht vorhanden !

 

Im Gegensatz dazu hat Steinbrecht nur solche Übungen mit dem Pferd gemacht, die für die gesamte Ausbildung und die Gesundheit des Pferdes nützlich sind. Und er hat sorgfältig darauf geachtet, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden, denn nur dann sind die Übungen auch wertvoll.

Bei Steinbrecht dauerte eine fundierte, sorgfältige Grundausbildung und Gymnastizierung des Pferdes im Durchschnitt 2 Jahre und die Ausbildung zur Hohen Schule durchschnittlich nocheinmal 2 Jahre.
Bei Baucher fehlt ein solide Grundausbildung des Pferdes, denn er hat die Pferde im Schnellverfahren in wenigen Monaten abgerichtet, so dass man sie dem Zuschauer effektvoll präsentiern kann, nach dem Motto möglichst schnell ein gehorsames funktionierendes Pferd/Maschine zu haben.


Unter anderen empfiehlt Baucher auch völlig ungeeignete Methoden zum Lehren der Piaffe und Passage.

Kein Wunder, daß man bei diesen ungeeigneten Methoden fast nie eine korrekte Piaffe oder Passage sieht, sondern fast nur fehlerhafte und für das Pferd schädliche Zerrbilder dieser Lektionen.

siehe auch auf meiner Seite Fehlerhafte Piaffen und Passagen

http://www.klassischereitkunst.de/piaffe-passage/fehlerhafte-piaffen-und-passagen/


Baucher war der Meinung, dass man mit seiner Methode  Pferde innerhalb von 3 Monaten vollständig für den Militärdienst ausbilden könne. Als man zur damaligen Zeit die Methode dann ausprobiert hat, hat man sehr schnell herausgefunden, dass die so ausgebildeten Pferde für den täglichen Dienstgebrauch ungeeignet waren. Ein Pferd, das irgenwelche Übungen maschinenhaft abspult ist sowohl untauglich für den alltäglichen Dienst als auch für den Einsatz im Krieg.
Fürs Turnier, für Shows und für den Zirkus und um den Pferden ein paar Tricks beizubringen reichen die Methoden von Baucher natürlich allemal. Da ist man zufrieden, wenn das Pferd seine Übungen maschinenhaft abspult. Dass die körperliche und mentale Gesundheit des Pferdes dabei oft enorm geschädigt wird, nimmt man halt als gegeben und unvemeidlich hin.

 

Seine Lektionen und Methoden sind sehr beliebt und weitverbreitet, nicht nur im DressurSport- und im Showbereich und im Zirkus, sondern auch im Freizeitreiterbereich, in der angeblichen Klassik-Barock-Reiterei, und teilweise auch in der Westernreiterei. Dabei wissen viele nicht, dass sie Methoden und Lektionen von Baucher oder seiner Schüler anwenden, und manche meinen sogar, oder tun so als ob sie  dabei nach Gueriniere und/oder Steinbrecht arbeiten würden.

 

Mehr dazu in den  folgenden Literaturhinweisen, und stets wie immer: aufmerksam und kritisch studieren.

Man muss jedoch Baucher nicht unbedingt gelesen haben, es gibt sicherlich auch gute Teile in seinen Methoden, aber diese sind alle auch in der Lehre von Steinbrecht enthalten und dort sorgfältiger und mit wissenschaftlichem Hintergrund beschrieben.

 

Wer sich dennoch mehr mit der "L'équitation de légèreté" und mit Baucher beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgenden Link und nachfolgende Literatur.
 

 L'équitation de légèreté (Ausbildung mit légèreté)

 

Baucher Literatur:

François Baucher: Methode der Reitkunst nach neuen Grundsätzen, Olms Verlag

*Faverot de Kerbrech, Methodische Dressur des Reitpferdes nach den letzten Anweisungen von Baucher, Olms Verlag

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